
Sind Stammgäste in unserer heutigen schnelllebigen Zeit noch "in" oder gehören sie bereits zu einer aussterbenden Spezies?
Wenn Herr und Frau S. eine Reise tun, dann brauchen sie keine stundenlangen Internetrecherchen und keine Erkundungstouren von einem Reisebüro zum nächsten, nein, Herr und Frau S. wissen nämlich genau, wo es hingehen soll: ins Hotel Alte Post an den Traunsee. Dieses Gebiet kennen sie wie ihre eigene Westentasche, denn Familie S. gehört zu der Spezies der Stammgäste, die sich alljährlich darauf freuen, in dieses ihnen schon bekannte Domizil zu reisen. Da taucht natürlich die Frage auf: Sind Stammgäste in dieser ach so rasanten und schnelllebigen Gesellschaft überhaupt noch zeitgemäß oder passten sie eher in eine Zeit, als man die Nachtkästchen noch mit Häkeldeckchen schmückte?
Ohne Zweifel neigen sicherlich viele von uns dazu, Stammgäste als Spießbürger zu bezeichnen, die über Jahre hinweg im gleichen Hotel hocken, die gleichen Spaziergänge machen und die gleichen Abendveranstaltungen besuchen. Aber wenn wir versuchen würden, unsere Sichtweise einmal zu verändern, kämen wir möglicherweise zu folgendem Schluss: Während des Jahres sind wir in einer Arbeitswelt gefangen, die einiges von uns abverlangt. Wir hetzen von einem Termin zum nächsten, versuchen unser Arbeitspensum in kürzester Zeit zu erledigen und sehnen uns in unserem tiefsten Inneren nach Ruhe und Stetigkeit - zumindest im Urlaub.
Was würde sich also mehr anbieten als ein Urlaubsparadies, das uns eine heimelige Sicherheit und ein gewisses Zuhausegefühl vermittelt? Und genau dieses Gefühl suchen auch die oft so verlachten Stammgäste. Das Gefühl der Beständigkeit, der stabilitas. Denn wenn wir einmal so richtig darüber nachdenken, sind es doch immer die Stammgäste, denen der Hotelier freundlich auch die Schulter klopft und die die besten Zimmer erhalten.
Vielleicht ist diese Tatsache doch eine Überlegung wert...
Ein Artikel von Mag. Manuela Molk